image

WHO’s WHO des BarCamps soziale Arbeit (Teil 2) #SozialCamp

In Teil 2 des Who’s WHO darf ich Euch weitere interessante Teilnehmer vorstellen!!

Hendrik Epe

„Ich habe im Sommer diesen Jahres mein Master-Studium abgeschlossen. Meine Master-Thesis habe ich zu der Frage geschrieben, wie es Organisationen der Sozialwirtschaft, trotz finanziell begrenzender Rahmenbedingungen, gelingen kann, Innovationen zu ermöglichen. Dabei habe ich ein sehr breites Innovationsverständnis angelegt und Innovation als die zielgerichtete Durchsetzung von neuen sozialen Dienstleistungen, wirtschaftlichen, organisationsstrukturellen und -prozessualen sowie sozialen Problemlösungen definiert, die darauf ausgerichtet sind, die Unternehmensziele auf eine neuartige Weise zu erreichen. Und ein wesentlicher Punkt, wie es Organisationen der Sozialwirtschaft, gelingen kann, Innovationen zu ermöglichen, ist die Vernetzung mit anderen Menschen, Institutionen, Netzwerken etc., um so neue Ideen zu generieren und nicht nur „im eigenen Saft zu schmoren“.
Das Barcamp Soziale Arbeit stellt für mich eine optimale Möglichkeit dar kann, Vernetzung über die Grenzen der Organisationen hinaus zu ermöglichen. Ich freue mich damit einfach auf spannende Menschen, die die Herausforderungen, vor denen die Soziale Arbeit steht, auf neue, andere Wege angehen wollen, um so Entwicklung zu ermöglichen. Die Digitalisierung ist für mich ein Teil dieser Herausforderungen, hinzu kommt für mich aber unbedingt die Frage, wie es Organisationen der Sozialwirtschaft schaffen können, in Zukunft weiterhin attraktive Arbeitgeber zu bleiben und gleichzeitig die hohen Anforderungen an die Bearbeitung der Sozialen Probleme meistern zu können. Wie sieht die Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft aus? Das bewegt mich und da freue ich mich auf einen Austausch in Bonn!“

image

 

 

Hendrik Epe in about me : Consultant, Vater, Schreiber und beruflich: Referent für Qualitätssicherung im Bereich Gesundheit und Soziales.

Sein Blog: Ideequadrat

 

Thomas Münch

„In einer digitalen Welt muss die Soziale Arbeit digital sein! Wird sie es nicht, wird sie nicht mehr lange sein. Vom Bar camp erhoffe ich mir Irritationen, Ideen und praktische wie theoretische Anregungen für diese gewaltige Herausforderung an unsere Profession.“

image

 

 

 

Prof. Dr. Thomas Münch lehrt an der

Hochschule Düsseldorf
im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Sein Blog: Praktische Sozialwissenschaften

 

Hans-Peter Merzbach

„Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die soziale Arbeit und die Aufgaben der Wohlfahrtsverbände insgesamt?
Das ist für mich eine der Kernfragen für unsere zukünftige Arbeit. Und so fahre ich mit einer Reihe von Fragen zu diesem Thema zum Barcamp und will zunächst hören und versuchen, die Dimension dieses Themas zu erfassen. Hiermit meine ich nicht „nur“ Themen wie die Anschaffung einer Beratungssoftware, die Umsetzung von Online-Beratung oder die Nutzung sozialer Medien. Sondern ich frage mich, ob wir die Digitalisierung und Ihre Auswirkungen nicht grundsätzlicher diskutieren sollten und uns fragen müssen, wie wir mit diesem Phänomen umgehen und es positiv nutzen können? Die Digitalisierung wirkt sich z.B. nicht nur auf die eigentlichen Beratungs- und Pflegedienstleistungen aus, sondern wirkt weit in unsere Verbandsstrukturen hinein und betrifft auch das bisherige Grundverständnis unserer Arbeit.

Wie erreichen wir zukünftig unsere „Kunden“ und potentiellen Mitarbeiter? Wie kommunizieren wir nach innen, aber auch außerhalb unserer Verbände? Wie verändert sich unser Leitungsverhalten und unsere Führungskultur? Wie gestalten wir in Zukunft die Abläufe und Prozesse in unseren Einrichtungen und Diensten? Viele weitere Fragen ließen sich anschließen.

Letztlich stellt sich die Frage, welche Chancen in der Digitalisierung liegen und wie ein solch dynamischer Veränderungsprozess im Sinne unserer Kunden und Klienten aktiv gestaltet werden kann.

Ich freue mich auf eine spannende und anregende Diskussion.“

image

 

 

 

Hans-Peter Merzbach ist Vorstand beim Caritasverband Ahaus.

Hier geht es zur Internetseite.

 

 

Ich bedanke mich herzlich für Eure Statements!

LG Sabine

 

Das könnte Euch auch interessieren: Who’sWho des BarCamp Soziale Arbeit Teil 1. 

Neugierig geworden? hier geht es zur Anmeldung.

image

Das Who´s Who des BarCamps Soziale Arbeit – #Sozialcamp (Teil 1)

Im letzten Beitrag habe ich Euch angekündigt, dass sich zum Barcamp Soziale Arbeit am 28./29.11.2016 in Bonn schon ein interessanter Teilnehmer/innenkreis angemeldet hat. Einige Teilnehmer/innen habe ich gefragt:

„Warum interessiert Euch das BarCamp Soziale Arbeit eigentlich?“ Hier sind ihre Antworten!

Stephanie Braun

„Für mich sind Psychologie und Soziale Arbeit enge Verwandte. In vielen Beratungsstellen arbeiten Sozialarbeiter und Psychologen eng zusammen.
Ich freue mich auf einen interdisziplinäen Austausch auf dem Socialcamp über soziale Themen und Social Media.“

Stephanie Braun, Psychologin M.Sc., Doktorandin zur Entwicklung von Frühchen, Bloggerin, Stellvertretende Vorsitzende der Landesgruppe NRW des Berufsverbandes deutscher Psychologen (Twitter #LgNrwBdP) und bald auf Jobsuche.

Ihre Blogs: Frühchen und Theorie of Mind & Kleiner Komet

Helen Knauf

„Das Barcamp bietet die Chance, über Soziale Arbeit mal jenseits eingefahrener Diskurse zu sprechen, quer zu denken und neueren Themen (z.B. Digitalisierung!) Raum zu geben – deshalb hoffe ich auf ein offenes und inspirierendes Barcamp!“

10428120_343738622465472_4088184889761629877_o

Prof. Dr. Helen Knauf lehrt an der Hochschule Fulda im Fachbereich Sozialwesen frühkindliche Bildung und Erziehungswissenschaft.

Ihr Blog: Rund um die frühkindliche Bildung 

 

Anna Schmidt

„Als ich vor ein paar Jahren ein Facebook-Seminar besuchte, erzählte eine Kursteilnehmerin, dass ihr Chef gefragt hätte was sie mit einer Facebook-Seite will. Der Seminarleiter antwortete, dass die Frage nicht sein dürfe, was sie damit wolle, sondern warum sie noch keine Facebook-Seite für diese soziale Einrichtung eingerichtet hätte.

Ich denke, heute hat man langsam erkannt und akzeptiert, dass es ohne Social Media in der sozialen Arbeit nicht mehr geht. Trotzdem merke ich oft noch Vorbehalte und Skepsis. Auch im privaten Bereich stoße ich oft auf die Angst, dass man den Menschen nur noch digital begegnet.

Darum geht es aber nicht, sondern darum Informationen mehr Menschen zur Verfügung zu stellen, das Miteinander einfacher zu organisieren und Arbeitsabläufe effektiver zu strukturieren. Eine neue Qualität des Meinungsaustausches zu fördern und soziale Prozesse zu verändern.

Ich wünsche mir oft bei den Älteren, die Selbstverständlichkeit mit der meine Kinder diese Medien in ihr Leben integriert haben. Die Frage, ob wir soziale Medien nutzen, stellt sich uns nicht mehr. Wie uns diese Medien verändern und wie wir gesellschaftliche Prozesse damit beeinflussen können, ist für mich eine Fragestellung, die ich ins Barcamp tragen und erläutern möchte. Den Schritt zurück gibt es nicht mehr und so heißt es die Chancen zu erkennen und zu nutzen, die uns die digitale Welt bietet – beruflich wie privat.“

14379926_1198356396852790_8386647411659153288_o
Anna Schmidt macht die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Stadtteilzentrum Steglitz e.V. in Berlin.

Ihr Blog: Bunt und farbenfroh

 

 

Wenn ihr auch Interesse habt, Euch hier vorzustellen, schreibt einfach einen kleinen Text, warum ihr das Thema wichtig findet.

Danke denen, die sich bis hier hin schon bereit erklärt haben! Ich freue mich auf Euch im November!

Liebe Grüße,

Sabine

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Hier geht es zur Anmeldung für´s BarCamp Soziale Arbeit – und:

Sozial wird digital – Bist Du dabei?

Das WHO’s WHO (Teil 2)

 

 

 

 

image

Sozial wird digital. – Bist Du dabei? #SozialCamp

„Was hat das mit mir zu tun?“

ist eine Frage, die engagierte Menschen der sozialen Arbeit ärgert, besonders dann, wenn sie angesichts der offensichtlichen Not von Mitmenschen gestellt wird.

„Was hat das mit mir zu tun?“

ist eine Frage, die engagierte Menschen der sozialen Arbeit schon mal gerne stellen, wenn es um soziale Netzwerke, digitale Alltagshilfen und Social Media & Co. geht.

Sozial wird digital.

Dabei trifft die soziale Arbeit mittlerweile tagtäglich auf das Digitale: Kinder und Jugendliche, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind, Senioren, die mit ihren Enkeln in Kontakt bleiben wollen, Menschen mit Behinderung, die digitale Medien im Alltag unterstützt.

„Was hat das mit mir zu tun?“

Menschen, die sich ihre Fluchtwege nach Deutschland organisiert haben, haben uns gezeigt, wie überlebensnotwendig Apps & Co. im Alltag sein können.

Ehrenamtliche haben uns gezeigt, dass sie sich unabhängig von den sozialen Verbänden im Netz in Gruppen organisieren.

Per Chat und Onlineberatung Menschen zu erreichen, gehört nunmehr seit Jahren zu neuen Dienstleistungsangeboten.

Fachkräfte zu gewinnen, läuft über Instragram, Twitter & Co.

Junge Bewegungen entstehen.

Politik, Kirchen und Gesellschaft sind im Netz vernetzt.

Wer sozial etwas bewegen will, Menschen helfen will, findet dafür zahlreiche verschiedene Möglichkeiten und Verbündete im Netz.

Die soziale Arbeit verändert sich. Der digitale Wandel verändert unsere Welt. Und damit auch unsere Gesellschaft. Die Art wie wir miteinander kommunizieren, wie wir miteinander umgehen, wie wir zusammen arbeiten. Die Angebote, die wir machen.

Was ist ein BarCamp?

Lest hierzu:  BarCamps – klassisch oder nicht.
Das BarCamp lebt von Euren ganz praktischen Fragestellungen und ich kann Euch versprechen, der illustre Kreis von Personen aus Wissenschaft und Praxis, der jetzt bereits seine Teilnahme zugesagt hat, ist vielversprechend mit Blick auf die Ergebnisse. Die Teilnehmer/innen werden mit konkreten Tipps und Ideen nach Hause gehen.

Wie wir Solidarität und das Soziale in unserer Gesellschaft halten und bewegen, hat etwas damit zu tun, wie es uns gelingt, das Digitale in den Dienst des Menschen zu stellen und es für das Soziale nutzbar zu machen.

Du hast Lust, Dich sozial zu engagieren und an zukunftsfähigen Konzepten für die soziale Arbeit mit zu wirken? Dann ist das SozialCamp genau richtig für Dich.

image

Melde Dich doch gleich hier an!

Das könnte Dich auch interessieren: Soziale Arbeit 4.0.

Das Who’s Who des Barcamps Soziale Arbeit.

image

SGB VIII Reform – Die Knackpunkte. #Sommerserie

Spätestens seit dem  14. Kinder- und Jugendbericht gibt es eine fachliche Diskussion und ein Ringen darum, wie die Umsetzung der „Großen Lösung“ (alle Kinder und Jugendlichen unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe) bzw. der „Inklusiven Lösung“ (Zusammenführung der Hilfen zur Erziehung und der Leistungen der Eingliederungshilfe als einem Leistungstatbestand) gelingen kann.

Bevor ich zu den Knackpunkten komme, sei gesagt, dass es grundsätzlich sehr erfreulich ist, dass das Vorhaben angepackt wird und es auch absolut zeitgemäss ist.

Was ist zu begrüßen?

  • Alle Kinder und Jugendlichen werden unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe zusammengeführt und in erster Linie als Kinder und Jugendliche betrachtet.
  • Kinder und Jugendliche sollen stärker beteiligt und Ombudschaften besonders gefördert werden.
  • Stärkung der Pflegekinder und ihrer Eltern.
  • Der Kinderschutz soll durch eine verstärkte Heimaufsicht sicher gestellt werden.
  • Medienbildung und -kompetenz werden gesetzlich verankert.

Was sind die Knackpunkte?

In einer Entwurfsfassung von Juni 2016 zeichnen sich einige Knackpunkte der Reform ab, die zu einem Paradigmenwechsel in der Kinder- und Jugendhilfe führen würden, wenn sie wie vorgeschlagen realisiert werden.

Zusammenführung der Erziehungs- und Eingliederungshilfe in einem Tatbestand.

Im zukünftigen  § 27 SGB VIII soll der Tatbestand für alle Minderjährigen einheitlich gefasst werden.  Man spricht dann hier von einem „Entwicklungs- und Teilhabebedarf“. Das Wort „Erziehung“ entfällt.

Es ist äußerst fraglich, ob ein Leistungstatbestand, der auch eine entsprechende Finanzierungsleistung nach sich zieht, den differenzierten Hilfebedarfen gerecht wird.

Gefahr der Aushöhlung des individuellen Rechtsanspruchs.

„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ § 1 Kinder- und Jugendhilfegesetz

Üblich ist, dass im Hilfeplanverfahren eine individuelle Leistung bewilligt wird, für die eine Leistungsvereinbarung besteht und, die in der Leistungsvereinbarung mit einem freien Träger definiert ist.

Zukünftig soll es im Ermessen des Jugendamtes liegen, eine individuelle Hilfe oder Regelsysteme bzw. infrastrukturelle Angebote im Sozialraum zu nutzen. Wie kann so der individuelle Rechtsanspruch, der bisher zu den Grundfesten der deutschen Kinder- und Jugendhilfe gehörte, gewahrt bleiben?

Hilfeplan soll Leistungsplan werden.

Die Abkehr von dem Begriff „Hilfe“ wird damit begründet, dass hiermit eine ungleiche Beziehung impliziert sei: Bedürftiger und Helfender.

Orientiert an der Systematik des SGB XII, in dem von Leistungstatbeständen ausgegangen wird, wird aus dem Hilfeplan ein Leistungsplan.

Ist das wirklich das richtige Wort? Oder geht hier nicht das kooperative Ringen um den bestmöglichen Weg verloren? Dabei ist dies gerade für die Effizienz der Hilfen von besonderer Bedeutung.

Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis vs. Ausschreibung.

Die Jugendämter sollen zukünftig zwischen verschiedenen Finanzierungsarten wählen können. Als eine dritte Finanzierungsart wird die Ausschreibung nach Vergaberecht in Aussicht gestellt. Das bedeutet nichts anderes, als dass Kommunen zukünftig aus dem sozialrechtlichen Dreiecksverhältnis aussteigen. Frühere Erfahrungen wie die Zusammenlegung der Sozial- und Arbeitslosenhilfe in 2002 zeigen, dass derartige Verfahren mittelfristig zu einem Qualitätsverlust bzw. zu einer Zerschlagung von Trägerstrukturen führen.

„Manches erinnert an die Anfänge einer Debatte, die viele längst hinter sich glaubten.“ Prof. Dr. Karin Böllert, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe in die Neue Caritas.

Elternanspruch nur als Annexleistung.

Im zukünftigen Gesetz haben die Minderjährigen den Leistungsanspruch und nicht die Eltern. Eltern können nur dann Leistungsansprüche erwerben, wenn das Kind einen Bedarf entwickelt. Das führt dazu, dass Symptome aber nicht Ursachen kuriert werden. Ein Rückschritt in der Kinder- und Jugendhilfe. Moderne Bildung und Erziehung arbeitet systemorientiert.

Angst vor der Kostenexplosion.

Das Budget von 2,4 Milliarden Euro für rund 260.000 Kinder und Jugendliche mit (drohender) geistiger und körperlicher Behinderung des SGB XII  wandert von den Sozialämtern zu den Jugendämtern. Somit stehen insgesamt 11,1 Milliarden Euro zur Verfügung und das Jugendamt wird neben den Sozialämtern der größte Kostenträger. Dennoch fürchten Experten eine Kostenexplosion, da Kinder mit (drohender) geistiger und körperlicher Behinderung  bisher keinen Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung hatten.  Freie Träger hingegen befürchten aus dem gleichen Grund eine Einschränkung der bisherigen Leistungen.

Die sogenannten Careleaver.

Grundsätzlich werden junge Menschen, die das 18. Lebensjahr erreicht haben, gestärkt, denn, wenn sie vor ihrer Volljährigkeit einen Hilfebedarf hatten, sollen sie zukünftig weiter gefördert werden können.

Das gilt nicht für junge Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Hier endet der Leistungsbezug.

Es gilt auch nicht für junge Menschen bei denen ein Bedarf möglicherweise erst nach der Vollendung des 18. Lebensjahres festgestellt wird.

Hier sollte grundsätzlich die Altersgrenze auf das 21. Lebensjahr angehoben werden.

Übergangsphase und Umbau der Jugendämter.

Für die Zusammenführung der Leistungssysteme ist eine Übergangsphase von fünf Jahren vorgesehen, so dass die Umsetzung tatsächlich erst zum 1. Januar 2023 abgeschlossen sein muss.

Dennoch ist zu befürchten, dass mit dem Start der Phase im Jahr 2017 mancherorts bereits entsprechend verfahren wird. Viele Jugendämter sind aber ohnehin überlastet. Hier gilt es besonders achtsam zu sein.

Klaus Peter Lohest, Abteilungsleiter Familie, Kinder und Jugend im rheinland-pfälzischen Familienministerium und Mitglied der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur SGB VIII Reform fordert daher in der Neuen Caritas:

„Die Prinzipien der Kinder- und Jugendhilfe, die unter anderem durch die Begriffe Rechtsanspruch, Wunsch- und Wahlrecht, Beteiligung, Aushandlungsprozess, Kooperation, einheitliche, nicht zwischen Personen differenzierte, Leistungsansprüche, Fachlichkeit, Leistungsplanung und -steuerung zum Ausdruck kommen, dürfen nicht verletzt oder in Frage gestellt werden.“

Weiterführende Links:

Position des Deutschen Caritasverbandes.

Synopse Novelle SGB VIII (Diakonie)

Florian Gerlach / Knut Hinrichs:
Eine erste Analyse des Entwurfs eines Reformgesetzes zum SGB VIII (Stand 06.07.2016)

Prüfsteine der Erziehungshilfefachverbände (u.a. BVKE)

Positionierung des Deutschen Caritasverbandes zu der Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung

Subsidiaritätsprinzip – Welfare mix – neue Subsidiarität (Norbert Wohlfahrt, Mai 2015)

Der § 35a als Leistungstatbestand der Jugendhilfe – Diplomarbeit 

Teil 1: Wie kam es zu dieser Reform?

 

 

image

Starke Rolle der Jugendämter im Sozialraum Sommerserie: #SGBVIII Reform

„Kindheit und Jugend erweisen sich als entscheidende Lebensphase, in denen die Grundlage für gute Entfaltungsbedingungen und für eine erfolgreiche Integration in die moderne Gesellschaft gelegt wird.“

so heißt es schon im 14. Kinder- und Jugendbericht.

Gleichzeitig wird darauf hin gewiesen, dass Kinderschutz, Bildung und Teilhabe nur dann gelingen kann, wenn die Institutionen, die das Heranwachsen des Kindes und Jugendlichen begleiten, kooperativ zusammen arbeiten.

Zukünftig: Infrastrukturelle Angebote im Sozialraum

Gemäß des afrikanischen Sprichworts „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ beobachten die Expert/innen des 14. Kinder- und Jugendberichts, dass die Institutionen im Sozialraum sich zunehmend vernetzen, um die Schnittstellen des Heranwachsens zu begleiten: Frühe Hilfen, KiTa, Ganztagsschule, Übergang Schule-Beruf u.ä.

Die Sozialraumorientierung wird daher im Gesetzesvorhaben aufgegriffen und betont.

Wie wird Sozialraum definiert?

„Sozialraum ist dabei als Quartier unterhalb der Stadt- bzw. Kreisebene zu verstehen, das über die Herstellung sozialer Bezüge und Milieus, identitätsstiftend wirken und Fokus für soziales oder politisches Handeln ist.“

Dabei werden vier verschiedene Akteur/innen genannt: Nahraum (hierzu zählt die Familie bzw. enge Bezugspersonen des Kindes), Zivilgesellschaft (Ehrenamt, Wohlfahrt, Vereine), Markt und Staat.

„Regelsysteme oder Angebote sind in diesem Kontext als infrastrukturelle Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, der sozialen Daseinsvorsorge, der kulturellen, sport- und bildungsbezogenen Angebote und Einrichtungen zu verstehen. Von dem Begriff erfasst sind grundsätzlich auch die Schulen.“

Einzelne Hilfen und Angebote sollen sich zukünftig infrastrukturellen Angeboten unterordnen. Sie erhalten im Hilfeplanverfahren den Vorrang. Hierüber erhofft man sich eine höhere Effizienz und Effektivität und damit nichtzuletzt auch Kosteneinsparung.

Der individuelle Rechtsanspruch des Kindes wird zukünftig damit auch durch Infrastrukturangebote im Sozialraum, Gruppenleistungen und die Kombinierbarkeit dieser Leistungsformen mit Individualleistungen erfüllbar.

Damit infrastrukturelle Leistungen dem Niveau von Individualleistungen entsprechen, wird es eine Verpflichtung zur Qualitätsentwicklung und – sicherung geben.

Und es wird eine Finanzierungsart ins SGB VIII aufgenommen, die es bislang noch nicht gab: über Effektivität und Effizienz von infrastrukturellen Leistungen sollen zukünftig Ausschreibungen mittels Vergaberecht als eine dritte Finanzierungsart im SGB VIII (neben Entgeltfinanzierung und gegenseitige Leistungsverträge sowie Finanzierung mittels Zuschüsse) geben.

Steuerungsrolle der Jugendämter

„Bund, Ländern und Kommunen kommt eine besondere Bedeutung zu. Der Staat ist nicht nur ein Akteur neben anderen, sondern der hoheitliche Staat ist zugleich in der Pflicht und in der Lage, als Regulierungsinstanz die Rahmenbedingungen für die pluralistische Produktion von Bildungs-, Hilfe- und Unterstützungsleistungen zu setzen und dafür Sorge zu tragen, dass die unterschiedlichen Instanzen der Wohlfahrtsproduktion zu diesem Zweck in geeigneter Weise kooperieren und sich wechselseitig ergänzen.“

Die Begriffe Effektivität und Effizienz werden in diesem Kontext auch erwähnt, da aus der Kostenexplosion in der Jugendhilfe (siehe Teil 1)  fiskalische Konsequenzen gezogen werden. Es ist nunmehr von vier Partnern die Rede: Privater Nahraum (zudem auch die Familie zählt), Zivilgesellschaft (z.B. Wohlfahrtsverbände und andere Vereine), Markt und Staat.

In der Gesetzesbegründung wird daher darauf verwiesen, dass die Jugendämter zukünftig noch mehr als in der Vergangenheit die Aufgabe haben, an den Übergängen und Schnittstellen zu anderen Leistungssystemen (z.B. SGB XII und Schulträger) zu agieren. Die Steuerungsinstrumente der Jugendämter sollen deutlich verbessert werden.

„Von entscheidender Bedeutung für die Sicherstellung der Bedarfsgerechtigkeit ist eine deutliche Qualifizierung der Steuerung der Leistungsprozesse durch den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe.“

Man erhofft sich dadurch auch eine Verbesserung des Kindesschutzes.

Die Steuerungs- und Gesamtverantwortung für den gelingenden Prozess des Heranwachsens der Kinder und Jugendlichen in einer Kommune wird dem örtlichen Jugendamt vielfach im neuen Gesetz bescheinigt.

„Mehr und mehr ist der Staat dabei in eine Art „Garantenrolle“ gelangt, zumindest die erforderlichen Rahmenbedingungen für ein gelingendes Aufwachsen vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels zu schaffen.“ 14. KiJuBericht

 

Teil 3: SGB VIII Reform – die Knackpunkte

image

Für eine gute Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe Sommerserie: #SGBVIII-Reform

Ein Thema, das schon seit Monaten durch die soziale Arbeit geistert: Die SGB VIII Reform.

Was verbirgt sich hinter dem Rechtsbegriff? Möglicherweise ein Paradigmenwechsel in der Kinder- und Jugendhilfe, der Auswirkungen auf unser gesamtes gesellschaftliches Gefüge haben wird.

Wenn es gut läuft, wird es eine Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, das vor 25 Jahren einen Paradigmenwechsel einläutete: Keine Separation mehr von vermeintlich abnormen Kindern und Jugendlichen und „normalen“ Kindern und Jugendlichen wie es das alte Jugendwohlfahrtsgesetz noch vorsah, sondern eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe, die jedes Kind und jeden Jugendlichen als einzigartig ansieht und fördert.

Alle Kinder und Jugendliche? Nein. Kinder mit körperlicher und geistiger Behinderung nicht. Und das soll sich jetzt ändern.

Klingt ziemlich idealistisch? Ist es auch. Daher ist auch soviel Vorsicht geboten.

Warum jetzt diese Reform?

Eigentlich ist doch alles gut. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz in Deutschland ist, besonders im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, ein Erfolgsmodell.
Das europäische EU-Ausland kennt ein solches System, wie wir es in Deutschland haben, gar nicht. Bislang spielt Kinder- und Jugendpolitik in der EU kaum eine Rolle. Es gibt höchstens angrenzende Politikfelder wie Migration, Bildung oder EU-Politik für Menschen mit Behinderung. Es sei denn, es geht um wirtschaftsnahe Themen wie Jugendarbeitslosigkeit.
Und gerade hier zeigt sich, was ein gelungenes Kinder- und Jugendhilfesystem gesamtgesellschaftlich und volkswirtschaftlich bewirkt. Deutschlands Jugendarbeitslosigkeit liegt mit 7.2 % auf dem zweitniedrigsten Platz – gleich hinter Malta.

Anlass für diese Reform sind verschiedene Themen, die seit längerem in der Kinder- und Jugendhilfe diskutiert werden.

Die UN-Behindertenrechtskonvention (2006)

Seit der UN-Behindertenrechtskonvention wird in Deutschland unter dem Stichwort zunächst „Große Lösung“ später „Inklusive Lösung“ diskutiert wie die Sozialsysteme für Kinder- und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen geführt werden können.

Bundeskinderschutzgesetz (2012)

Die Ende der 2000er aufgedeckten Missbrauchsfälle in Schulen, Heimen der Erziehungshilfe und psychiatrischen Kliniken aus der Vergangenheit und heute führten zur Einführung eines neuen Kinderschutzgesetzes in 2012.

14. Kinder- und Jugendbericht (2013)

Der 14. Kinder- und Jugendbericht zeigt 2013 erstmalig auf, dass die Schere zwischen armen und reichen Kindern und Jugendlichen in Deutschland deutlich auseinander klafft und insgesamt 25% drohen abgehängt zu werden, da ihre sozialökonomische Situation ihre Bildungschancen mindert. Jeder dritte junge Mensch kommt aus einem Elternhaus, das entweder von Armut bedroht ist, in dem die Eltern keiner Er-
werbstätigkeit nachgehen oder aber selbst keine ausrei-
chenden Schulabschlüsse vorweisen können.

1 Mio. junge Menschen beanspruchen Hilfen zur Erziehung (2014)

Ein kleiner Exkurs: Als 2003 die Zusammenlegung der Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe erfolgte, (warum erinnert mich diese Gesetzesreform nur immer wieder an die Aktuelle?), die sich sehr an der britischen Arbeitsmarktreform orientierte, wollte man in der Politik Hinweise nicht hören, dass die dortige Reform zu einem Anstieg der Armutsquote auf 20% geführt hatte.

Knapp neun Jahre später erleben wir einen deutlichen Anstieg der Ausgaben in der Jugendhilfe und damit verbunden einen Anstieg der Hilfen zur Erziehung. 60% der Familien, die Hilfen zur Erziehung in Anspruch nehmen, beziehen Transferleistungen. Ein Schelm, der einen Zusammenhang sich dabei denkt!

Natürlich ist da ein Zusammenhang: die massiven Kürzungen in der Arbeitsmarktförderung haben dazu geführt, dass viele Familien in Deutschland, insbesondere auch Alleinerziehende, ihren Weg in ein sozial-ökonomisch stabiles Leben nicht finden konnten und ihre Kinder abgehängt wurden. Sie tauchen jetzt im 14. Kinder- und Jugendgericht wieder auf und im Jugendhilfebudget der Kommunen.

Weiterentwicklung der Hilfe zur Erziehung

Unter diesem Stichwort wird im Rahmen der Jugendminister/innenkonferenz der Länder schon länger diskutiert. Manche fragten sich, warum ist eine Weiterentwicklung nötig. Und zurecht kam auch die Frage auf, ob diese Weiterentwicklung nicht rein fiskalischer Motivation sei.

Es wird gut, wenn wir aus alten Fehlern lernen.

Umbau braucht Zeit. Gesetzesvorhaben brauchen Zeit.

Die Jugendämter sind aktuell noch dabei die Flüchtlingsströme zu bewältigen und sollen jetzt schon Inklusion umsetzen. Okay, es ist geplant, dass erst 2023 alles in trockenen Tüchern sein muss. Aber vorher ist eine fünfjährige Umbauphase eingeplant. Wir wissen ja alle, dass damit der Startschuss gegeben ist und auch eine Zeit der Unwägbarkeit beginnt.

Ein Gesetz lässt sich nicht in der Nacht stricken. Schon gar nicht in der Weihnachtsnacht. So geschehen 2002 mit der Arbeitsmarktreform.

Was zeichnet sich jetzt schon positiv ab?

Grundsätzlich ist die Reform zu begrüßen. An einer inklusiven Lösung für alle Kinder- und Jugendlichen zu arbeiten, ist das Gebot der Stunde und dazu gehört auch die Zusammenführung der Leistungssysteme in einem Gesetz.

Es zeichnet sich ab, dass die Übergänge zur Verselbständigung für sogenannte „Careleaver“ verbessert werden sollen, dass der Kinderschutz durch eine qualifizierte Vernetzung sicher gestellt wird, dass Pflegekinder und Pflegeeltern besser gefördert werden und die Ombudschaft und Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen gestärkt wird. Nichtzuletzt ist auch die Medienbildung und Medienkompetenz endlich anerkannte Aufgabe der Jugendhilfe.

Allerdings muss bei der ganzen Reform das Kindeswohl auch tatsächlich im Fokus stehen. Und nicht fiskalische Gründe. Hier reichen Studien, Evaluationen und Theorien nicht aus, sondern es muss in der Praxis für die Betroffenen, die Jugendämter, die Eltern und die sozialen Dienste tauglich sein.

Die Kinder- und Jugendhilfe ist ein Garant für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Hier zu sparen, hätte fatale Auswirkungen.

Weiterführende Informationen:

Beschlüsse der Jugendminister/innenkonferenz

Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ)

Monitor Hilfen zur Erziehung 2016

Ombudschaft NRW

Deutschlands größte Sozialreform – eine Dauerbaustelle

Beschäftigung: Das Reform-Monster

 

 Teil 2: Starke Rolle der Jugendämter im Sozialraum

 

 

 

 

 

 

image

Digitale Transformation.

Aus.

Zu Ende.

Vorbei.

Die soziale Arbeit von wohlfahrtsverbandlichen Organisationen in Deutschland wird keine Zukunft haben.

Es sei denn, wir läuten einen grundlegenden Veränderungsprozess ein. Die digitale Transformation.

Bei Wikepdia heißt es:

„Digitale Transformation verändert langfristig durch die Möglichkeiten und Potentiale digitaler Medien und des Internets das Fundament jedes Unternehmens in seiner Strategie, Kultur und seinen Prozessen.“

Wollen wir wirklich, dass das einfach so geschieht?

Oder wollen wir mit gestalten?

Aber welche Alternativen gibt es?

Keine.

Struktur, Prozesse und Kultur werden sich verändern. Und zwar nicht in langwierigen Prozessen wie wir das aus den 90er Jahren kennen, sondern zügig, neben uns oder ohne uns.

Aber das Digitale?

Das wird uns doch total verändern.

Ja, wird es.

Schon als ich das Programm zur re:publica las, dachte ich, ein Glück, dass ich schon ein wenig „digital transformiert“ bin. Ich hätte sonst kein Wort verstanden, geschweige denn, irgendetwas interessant gefunden. Und so geht es uns eigentlich gerade gesamtgesellschaftlich.

Und warum?

  • Das Programm ist englisch oder hat viele Anglizismen.
  • Die Überschriften der Vorträge sind Bloggerjargon. Provozierend. Konträr. Aufregend anregend.
  • Der Teilnehmer ist Teil eines Prozesses. Ein Entwickler/eine Entwicklerin. Es gibt keine fertigen Konzepte oder Rezepte. Was heute in ist, ist morgen vielleicht schon wieder überholt. .

Friedmann Karig hat das bei der Re:Publica „Die pubertäre Gesellschaft“ genannt. Seine Kurzthese ist: „Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft so grundlegend wie die Pubertät einen Menschen. Wachstumsschmerzen sind völlig normal. Aber was kommt danach?“

Was ich an seinem Vortrag so grundlegend fand, war der Ruf nach dem Diskurs.

Es braucht einen Diskurs.

Eine erstaunliche Erkenntnis. Für uns Deutsche gar nicht mal so sehr, aber für die Internetszene vielleicht schon. Vor allem die Pioniere. Denn diese besteht doch vor allem aus Ausprobieren, hacken, basteln, Pionierarbeit leisten, einfach mal machen.

Eine Erhebung hat gezeigt, dass höhere Bildungsschichten in den meisten Ländern das Social Web dominieren – außer in Deutschland.

Infografik: Höhere Bildungsschichten dominieren Social Web - außer in Deutschland | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ich persönlich glaube, dass das kulturelle Hintergründe hat. Neben Datenschutzgründen. Zur deutschen Kultur gehört es, Texte und Veröffentlichungen bis auf´s letzte I-Pünktchen geprüft haben zu müssen. Texte für die Presse, Reden werden lange und gründlich vorbereitet. Authentizität wie das Internet und die sozialen Netzwerke sie fordern, bleiben dabei häufig auf der Strecke.

Der Kultursprung, der statt finden muss, damit die neue Kultur verstanden wird, ist riesig. Aber diese Kultur wird unsere Arbeitswelt bestimmen, neue Geschäftsmodelle kreieren und Kooperationen beflügeln, ob wir, die traditionellen deutschen Organisationen, dabei sind oder nicht.

Den Diskurs werden die führen können, die bereits erprobt sind. Diejenigen, die Kind, Jugendlicher und Pubertierender in der Internetwelt gewesen sind. Nichts war in der Vergangenheit fataler als derjenige, der über soziale Netzwerke sprach und deren Kommunikationskultur nicht kannte.

Die Netzkultur darf nicht verloren gehen, denn sie bietet enormes Potential für eine gelingende Gesellschaft.

Es braucht eine sozialdigitale Utopie.

Da ich lange für europäische Projekte und europäische Sozialpolitik zuständig war, sehe ich einen Zusammenhang zwischen der verlorenen Chance einer Transformationen, die der europäische Einigungsprozess hätte leisten können und der digitalen Transformation. Es geht mir nicht darum, die deutsche Kultur zu ohrfeigen, wir können auf Vieles was wir leisten, stolz sein. Aber wir haben einfach kulturell und vor allem interkulturell unsere Grenzen.

Wir haben uns lange Jahre für zu perfekt gehalten und wollten gerne unsere Systeme übertragen. Wir lernen ungern von anderen und lassen neue Entwicklungen ungern ins Land. Nur ein Beispiel: Steve Jobs hat in den 80er Jahren Heinz Nixdorf den Vertrieb von Personal Computern in Europa angeboten.

So respektiert und anerkannt waren wir damals in der Computerbranche. Aber die Devise ist nicht vernetzen, sondern im eigenen Brei weiter agieren. Auch, wenn dieser keine Updates mehr bereit hält.

Teilen ist nicht immer heilen (Der Circel von Dave Eggers), aber es ist die Zukunft. Wissen wird geteilt und muss gemanaget werden. Unsere alten Methoden und Arbeitsweisen greifen da nicht mehr.

Es braucht eine sozialdigitale Transformation.

„Vernetzt und autonom – die Mobilität der Zukunft wird das Reisen grundlegend verändern. Die Deutsche Bahn hat erkannt, dass sie sich wandeln muss, um Innovationen Raum zu geben und treibende Kraft auf dem Weg in die Zukunft der Mobilität zu sein. Die DB Labs sind der Motor dieser Entwicklung: durch agile Arbeitsmethoden, Kooperationen mit Start-ups und den Austausch mit der Open-Data-Community treiben sie die Digitalisierung im Konzern voran und helfen dabei, Themen neu zu denken.“

Diesen Eingangstext für die Vorstellung der Unternehmenslabs der DB bei der Re:Publica
ist übertragbar auf die soziale Arbeit und ihre Organisationen.

Alle DB LABs auf einen Blick.

Makerspaces, Labs oder welche innovativen Räume auch immer, wo frei und unabhängig agiert werden kann, wo geschult, gelernt und verworfen werden kann.

Indem wir neue Geschäftsmodelle erproben, neue Kooperationen eingehen und mit unserer hohen Kompetenz, die wir als Mitarbeitende der sozialen Arbeit haben, den Prozess mit gestalten.

„Ohne Simplifizierung, also die radikale Vereinfachung von Strukturen, Verantwortungen und Prozessen, kann die digitale Transformation nicht gelingen.“ lautet der Titel einer Session und die Devise für das Arbeiten 4.0.

Solche Orte ziehen junge Menschen und Kooperationen an.

Struktur, Prozesse und Kultur werden leicht und zügig wandelbar.